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Sonntag & Sohn
125 Jahre Juweliertradition in Leipzig

Text: Thomas Biskupek
Aus "Leipziger Blätter" – Ausgabe 46/2005

Uhrmacher und Goldarbeiter arbeiteten häufig zusammen. Meist beherrschte jeder von ihnen beide Professionen. Der Leipziger Goldarbeiter Emil Sonntag kaufte vor hundertsiebenundzwanzig Jahren ein Haus in der Kuhturmstrasse und eröffnete dort am 27. Juli 1878 ein Geschäft, das bis 2001 für den westlichen Teil der Messestadt eine der ersten Adressen für Schmuck, Edelsteine und Uhren wurde. Bald stieg auch Sohn Paul ins Geschäft ein, der neben dem Beruf des Vaters auch den eines Optikers erlernt hatte. Aber erst nach dem Tod des Gründers – 1916 – liess er die Firma als „Sonntag & Sohn“ ins Handelsregister eintragen. Offensichtlich war sein Vertrauen in den Fortgang des Familienerbes gewaltig.

Doch der Name Sonntag verschwand, denn Paul und Linda Sonntag hatten nur 2 Töchter. Irene, 1920 geboren, stand mit dem Tod ihrer Eltern vor der riesigen Aufgabe, das Geschäft allein weiterführen zu müssen. Als sie 1952 den Augenoptiker Horst Böttcher heiratete, wurde diese Last geringer, zumal der Eingeheiratete sich mühte, nicht nur das Herz der Erbin zu erobern, sondern auch fachlich das Geschäft zu bereichern. So erlernte er zusätzlich noch den Beruf des Uhrmachers und machte seinen Meisterbrief. Fortan hiess der Chef Böttcher.

Freilich lief das Geschäft anders als bei den ersten beiden Generationen: Gold, Silber, Schmuck gingen vor allem bei wohlhabenden Leuten gut. Lindenau, Leutzsch oder Plagwitz – also die westlich der Kuhturmstrasse liegenden Stadtteile – galten nicht gerade als Wohnorte der besser Betuchten, dennoch aber fanden sich eine Menge Stammkunden, für die Sonntag & Sohn eine bevorzugte Adresse war, wenn Konfirmationen, Hochzeiten und andere Feierlichkeiten bevorstanden.
Vom Ertrag des Geschäfts hatte Paul Sonntag seinerzeit unter anderem ein Grundstück in der Kirschbergsiedlung, wo man die knappe Freizeit in einem nicht zu weit abgelegenen Garten verbringen konnte – heute heisst so etwas „Datsche“.

Bei Irene und Horst Böttcher basierten die Geschäfte auf besonderen Prämissen. Die sogenannten besser Betuchten gab es nicht mehr. Gold war rar. Wer sich von der „Westverwandschaft“ – oft illegal – etwas beschaffen konnte, war fein raus. Lieferprobleme gehörten zur Tagesordnung. Zuerst wurden die Geschäfte der staatseigenen Handelsorganistaion (HO) oder der Konsumgenossenschaft beliefert. An letzter Stelle kamen die Privathändler. Deshalb liessen sich die Böttchers auf ein Zwischending ein und schlossen 1972 einen Kommissionsvertrag ab. Das heisst, sie verkauften Ware in Kommission für den Staat. Damit waren sie in einer besseren Position als die reinen Privathändler.

Andreas Böttcher, der heutige Firmenchef und Urenkel von Emil Sonntag, wollte früh schon im Geschäft seines Vaters als Uhrmacher tätig werden. Doch unter den Bedingungen der Planwirtschaft war im fraglichen Jahr gerade keine Lehrstelle für diesen Beruf vorgesehen. Mit Hilfe der Handwerkskammer wurde schliesslich doch eine Lösung im Sinn der Firma gefunden. Nach der Lehre machte Böttcher seinen Meister und übernahm im schwierigen Wendejahr 1989 das Geschäft von den Eltern. Heute weiss er: „Uns fehlte anfangs einfach das notwendige betriebswirtschaftliche Wissen. Deshalb soll mein Sohn Adrian auch stärker auf dem Gebiet ausgebildet werden.“ Trotz dieses Mankos hatte Böttcher offensichtlich ein ganz gutes Gespür für das, was jetzt gefragt war. Er ging dem Wettbewerb mit den Grossen der Branchen von vornherein aus dem Weg, spezialisierte sich auf Nischen, fand seine Kunden durch intensive Beratung und hochkarätige Partner, die selbst Wert darauf legen, dass ihre Produkte nicht auf dem Basar feilgeboten werden, sondern in ausgewählten Geschäften.
So erwies sich die Konzentration auf den Bereich der Trauringe als ausgesprochen pfiffige Entscheidung. Natürlich gibt es so etwas überall; selbst im Kaufhaus liegen Trauringe aus. Doch wer den „Bund fürs Leben“ plant, kauft meist nicht gern „von der Stange“. Dabei fand Böttcher einen ausgezeichneten Partner in der Firma Gerstner aus Pforzheim. 1862 von Max Gerstner gegründet, befindet sich die Ringmanufaktur seit sechs Generationen in Familienbesitz. Da suchten und fanden sich zwei Traditionsbewusste. Gerstner legt Wert darauf, dass seine Produkte nicht mit sich selbst konkurrieren, dass es also in jeder Stadt nur einen exklusiven Anbieter gibt.
Auch der Händler findet einen entscheidenden Vorzug bei seinem Lieferanten: „Die meisten Anbieter sind wenig flexibel. Bei Gerstner kann man sagen: Aussehen sollen die Ringe wie dieser, aber einen Millimeter breiter ausfallen oder einen anderen Stein tragen. Alles kommt wie gewünscht.“

Der grösste Einschnitt für Sonntag & Sohn aber sollte erst noch kommen: das familieneigene Grundstück in der Kuhturmstrasse stand innerstädtischen Umbaumassnahmen im Weg. Die Verkehrsbetriebe wollten hier den bis dahin eingleisigen Strassenbahnverkehr zweigleisig ausbauen. Die Pläne lagen bald vor. Danach hätten die Gleise anderthalb Meter vom Schaufenster entfernt gelegen – für ein Geschäft, das auf Schaufensterauslagen und Laufkundschaft Wert legen muss, wäre das das Todesurteil gewesen. Andreas Böttcher verhandelte so lange mit der Stadt, bis eine Lösung herauskam, mit der beide Seiten leben konnten. Vor allem die Tatsache, dass Kredite bedient werden müssen, die für die nach der Wende gekaufte moderne Ladeneinrichtung aufgewendet wurden, überzeugte, so dass der Kaufpreis der Stadt letztendlich akzeptabel ausfiel. Ausserdem gab es Hilfe bei der Suche nach einem neuen Objekt. Das fand sich schliesslich weit entfernt vom Standort, an dem der Urgrossvater begonnen hatte: Mitten in der Innenstadt, nahe dem Markt und im Schatten des Alten Rathauses, und dennoch in relativ ruhiger Lage. Die Firmenadresse lautet Katharinenstrasse 2. Auf dem Gartengelände von Paul Sonntag war derweil ein Wohnhaus entstanden – das neue Daheim der Familie.

Im Februar 2002 zog Sonntag & Sohn aus der Kuhturmstrasse aus: Am 18. April wurde das neue Geschäft eröffnet. Heute ist das Haus verschwunden, in dem das Geschäft fast fünf Vierteljahrhunderte beheimatet war. Natürlich kommt nicht automatisch jeder Stammkunde mit, auch wenn der Umzug lange angekündigt war. Mancher ging verloren, aber es fanden sich auch neue. Wichigste Ursache dafür, dass das Geschäft immer wieder aufgesucht und durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiterempfohlen wird, sieht der Inhaber in der Konzentration auf Nischen. Und die wichtigste davon sind die Trauringe. Mit denen geht das Geschäft auf die Hochzeitsmessen in Leipzig, Schkopau und auf die des Muldentals in Machern. Inzwischen gibt es auch einen Hochzeitsstammtisch in Leipzig für Unternehmen, die sich auf dieses Ereignis konzentrieren. Ein Brautmodenhaus gehört ebenso dazu, wie ein spezialisiertes Blumengeschäft, ein Fotograf und ein Friseur. Man richtet Veranstaltungen aus und betreut Kunden gemeinsam.
Wegen dieser Ausrichtung unterstützen Sonntag & Sohn auch die Leipziger Schmuckmesse Midora. Im vergangenen September lief im Geschäft sogar eine innerstädtische Begleitveranstaltung für die Messe: Junge Designer zeigten in den Schaufenstern des Ladens, womit sie sich in einem Wettbewerb beworben hatten. Rund dreissig Exponate wurden von zwei Studentinnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein aus Halle präsentiert. Von dieser Form der Zusammenarbeit profiitiert jede Seite. Die Fachmesse machte ebenso wie Sonntag & Sohn auf sich aufmerksam. Und das attraktive Schaufenster lockte zudem potentielle Kunden an.

Trotz solcher Aktionen, trotz regelmässiger Vernissagen – Juwelenverkauf ist eine leise Angelegenheit, die nichts gemein hat mit all dem Marktschreierischen, mit dem regelmässig Kunden zum Kauf von Aalen, Obst oder Kuchen gerufen werden. Ob eine hochwertige Uhr, eine Kette oder eben Trauringe – der Kunde will in aller Ruhe beraten werden. Damit hat das Unternehmen zwei Weltkriege, Inflation, Weltwirtschaftskrise und den Sozialismus überstanden. Nachdem man ganz gut die Probleme des Übergangs des Übergangs zur Marktwirtschaft und des Umzugs an den neuen Standort gemeistert hat, stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Unternehmen auch für Adrian, den Ururenkel des Firmengründers, eine Zukunft bietet.
Die Zahl der Kunden ist gestiegen, der Umsatz hat sich gegenüber den Zeiten in der Kuhturmstrasse verdoppelt, obwohl Böttcher einräumt: „Wir zahlen immer wieder Lehrgeld, wenn wir ein Sortiment aufnehmen, das bei uns schlecht geht.“

Noch unangenehmer ist es, wenn – wie im vergangenen Herbst – ein Grosser der Branche einen wochenlangen, professionell aufgezogenen Räumungsverkauf durchzieht. Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. So etwas schadet allen anderen. Dennoch sieht der Firmenchef im nachhinein das Weihnachtsgeschäft in freundlicherem Licht – besonders weil in den ersten Januartagen seine Tochter Elisabeth geboren wurde.

Wie ein kleines Geschäft – neben dem Inhaber noch zwei Verkäuferinnen und der eigene Sohn als Lehrling – unter solchen Bedingungen erfolgreich wirtschaftet? „Man muss sich viel einfallen lassen“, weiss der Chef. Sein Vater hinterliess ihm den grundsatz: Kunden zu gewinnen dauert Jahre, sie verprellen nur Sekunden! Zufriedene Kunden, das ist die Grundlage des Erfolgs. Ein umfangreicher Service steht für diejenigen bereit, die Änderungen oder Umbauten an ihren Schmuckstücken wünschen.
Gerne erfüllen die Mitarbeiter auch ausgefallene Bitten. So haben sie einem guten Kunden (kein Millionär, ein Taxifahrer!) den Herzenswunsch erfüllt. Er wollte seiner Frau zu einem runden Geburtstag ein „Frühstück bei Tiffany“ bescheren. Andreas Böttcher und sein Team empfingen die Jubilarin und ihren Mann vor einem gedeckten Frühstückstisch. Die Mitarbeiter hatten Lachs, Kaviar, Baguettes und Sekt besorgt, selbst Kanapees bereitet (kein Catering bestellt). Natürlich gab es dort dann auch das bestellte Geschenk – eine hochwertige Uhr.
Warum sich die Firma solche Mühe gibt? „Unsere Produkte haben mit Emotionen zu tun, so müssen sie auch präsentiert werden. Wir sind kein Supermarkt.“
Daher bekommen gute Kunden auch regelmässig Einladungen zu Veranstaltungen, bei denen nicht verkauft wird, sondern ein intimes Gefühl zum Angebot des Hauses entstehen soll. So wurde mit „Jaques‘ Weindepot“ und einem entsprechenden Schmuckexperten eine Abendveranstaltung organisiert: „Perlen und Wein“. Ähnliches gab es schon zum Thema „Perlen und Mode“. Auch aufgrund solcher Aktivitäten wird Sonntag & Sohn seinen Kunden immer mehr zu einem guten, alten Freund, dem man vertraut.
Das bodenständige Unternehmen legt Wert darauf: Wir sind Leipziger!
Das gehört zum Stil des Unternehmens. Dazu gehört auch die vom Firmengründer eingeführte Tradition, dass die Firma vom Älteren auf den Nachfolger bei einem guten Burgunder aus Kristallgläsern weitergegeben wird – zusammen mit der Empfehlung, den guten Stil beizubehalten, den Sonntagsstil.

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